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Orts- und Wallfahrtsgeschichte

Schon in vorgeschichtlicher und römischer Zeit war die Gegend um Etting bereits besiedelt. Die Gründung des Dorfes selber, an der einstigen vielbefahrenen „Salzstraße“ von Ingolstadt nach Nürnberg gelegen, liegt allerdings im Dunkeln, da schriftliche Quellen über die Frühzeit Ettings fehlen. Jedoch rückt ein archäologischer Fund aus spätmerowingischer oder frühkarolingischer Zeit eine Entstehung etwa im 8. Jahrhundert in den Bereich des Möglichen. Die Bauzeit der Kirche ist im 11. oder 12. Jahrhundert anzunehmen, da das für die Eichstätter Diözese eher seltenere Michaelspatrozinium wohl im Zusammenhang mit den häufigeren altbayerischen Patrozinien zu sehen ist, die alle gerade in dieser Zeit entstehen. Zudem wird in dem sog. „Gundekarianum“ eine Kirchenweihe im Jahr 1060 für die Ortsnahmen „Otingun“ und „Ottingun“ erwähnt, welche aber wiederum nicht unbedingt mit Etting bei Ingolstadt identisch sein müssen. Sicher ist allerdings, dass der Ettinger Chorturm im Kern noch romanisch istFür die Zeitspanne zwischen 1180 und 1303 sind Ortsadelige belegt, deren erster, Gozprecht, das Schlösschen erbaute, welches noch heute den Kern einer Gaststätte westlich der Kirche bildet.Etting musste mehrmals schwere Plünderungen und Brandschatzungen über sich ergehen lassen, so 1504 während des Landshuter Erbfolgekrieges, 1546 im Schmalkaldischen Krieg, während des Dreißigjährigen Krieges (1618 – 1648), des Spanischen Erbfolgekrieges (1701 – 1718) und ebenso beider Belagerung Ingolstadts durch Napoleons Truppen im Juli 1800. Daher ist auch die Quellenanlage über die Entstehung der Wallfahrt sehr dürftig, da immer wieder etwas verloren ging.Der erste Hinweis auf eine mögliche Wallfahrt findet sich 1602 in einem Bericht des Eichstätter Generalvikars Vitus Priefer, der darin die Existenz der drei Heiligengräber und eines Mirakelbildes mit diesbezüglicher Inschrift erwähnt, wobei letzteres genau auf 1496 datiert wird. Einen schriftlichen Beleg über das tatsächliche Bestehen einer Wallfahrt liefert jedoch erst der Auftrag Herzog Wilhelm V. (1579 – 1597) vom 9. Oktober 1584 an den Rat der Stadt Ingolstadt, Erkundigungen über den Ettinger Kult einzuziehen. Dieser erreichte im Jahre 1627 seinen Höhepunkt, als der Eichstätter Bischof Johann Christoph von Westerstetten (1612 – 1636) vom 2. bis 4. September eine Grabung vornehmen ließ.Man fand alle drei Gräber entlang der Südwand des Kircheschiffs: das erste an der Ecke der südlichen Seitenkapelle zum Langhaus, das zweite unter dem einstigen rechten Seitenaltar und das dritte etwas weiter westlich, noch vor dem Portal.

Den Abschluss der Grabung bildete die Erhebung der Überreste der Drei Elenden Heiligen aus den bisher aufgemauerten Gräbern. Der Bischof wollt so auf die hiesige regionale Wallfahrt aufmerksam machen und als kaiserlicher Kommissar für die Rekatholisierung der Gebiete Pfalz-Neuburg und Oberpfalz eine Ausweitung der Heiligenverehrung erreichen und letztendlich zur Stärkung des katholischen Glaubens beitragen.Als bald darauf in unserer Gegend die Pest ausbrach, der sogar Pfarrer Martin Faber aus Etting zum Opfer fiel, setzte aus der Stadt und den umliegenden Dörfern eine große Wallfahrt ein, weil die drei Heiligen als Pestpatrone verehrt wurden. Während des Dreißigjährigen Krieges brachte man vor dem anrückenden Schwedenkönig Gustav Adolf (1632) und dem schwedischen General Bauer (1641) die Reliquien der Heiligen in der Festung Ingolstadt in Sicherheit.1735 kam Kurfürst Karl Albrecht, der spätere Kaiser Karl VII., mit seinem ganzen Hofstaat zur Wallfahrt nach Etting und nahm auch Wasser vom Ostenbrunnen.Mit dem 50-jährigen Jubiläum der Erhebung im Jahr 1677 verzeichnete die Wallfahrt einen erneuten Aufschwung, denn aus diesem Anlass erschien das Wallfahrtsbüchlein des Pflegers Johann Franz Benno Wurm, das von der Legender der Drei Elenden Heiligen, ihrer Herkunft und ihrem Wirken in „Oethding“ erzählt. Die Legende besagt folgendes:„Zur Zeit einer schweren Christenverfolgung in England verließ der einer adeligen Familie entstammende Kaufmann Archus mit seinen beiden Söhnen Herenneus und Quartanus das Vaterland. Auf ihrer Wanderung kamen sie bis in die Gegend von Ingolstadt. In der Wildnis des Harder Waldes bot ein Felsen den Verschmachtenden wunderbar Wasser und Labung. Sie ließen sich hier nieder und wählten drei Höhlen als ihre Wohnstätte. Nur zum gemeinsamen Gebete kamen sie zusammen. Sie nahmen sich der verfolgten Christen an, begruben die um ihres Glaubens willen Getöteten und starben schließlich eines gottseligen Todes. Über ihren Gräbern baute man eine Kirche. Hie geschahen manche Wunder und von weiter Ferne kamen manche Wallfahrer.“ (Götz, S. 31f.)

Auf einem spätmittelalterlichen Bild war zu lesen:
„Welche hie zu diesem gothaus kirchfahrten kumen,
Es sein gleich blinde, lamen oder krumen,
Dieselben werden wieder gerat, frisch und gesund
und haben wieder eine fröhlich stund.“

Drei unterirdische Gänge mit Höhlen brachte man – der Überlieferung nach – mit den Drei Elenden Heiligen in Beziehung, die ihnen als Wohnhöhlen gedient haben sollen: Der eine Gang befindet sich im Haus gegenüber dem Kirchturm und ist noch heute zu sehen (Zugang von der Straße aus durch eine niedrige Kellertür verschlossen), der zweite befand sich unter dem Pfarrhaus, der dritte unter dem ehemaligen Wohnhaus des Universitätsprofessors Dr. Rath; alle drei endeten unter der Kirche.
Im 19. Jahrhundert erfuhr die Wallfahrt im Zuge der Säkularisation allerdings ihren Nidergang. Dafür ging man nun daran, die Legende der Volksheiligen und ihre Begleitumstände zu erforschen und auszudeuten. Bis heute sind sowohl die Herkunft als auch der Beginn der Wirksamkeit unklar, und auch die Namen haben im Verlauf der Jahrhunderte Wandlungen erfahren. Bei ihrer ersten Nennung im Gaimersheimer Predigtbuch von 1570 werden noch die deutschen Namen verwendet: Archan, Haindrit und Gardan. Die Abdeckung des ersten Grabes, ein wiederverwendeter römischer Grabstein, den man falsch interpretierte, war der Auslöser für die Umbenennung Heindrits in „Hereneus“. Und aus dem bereits umgeschriebenen „Quardanus“ wurde im Wallfahrtsbüchlein Söhrs „Quartanus“. Man hielt sie für römische Soldaten, für Kaufleute, vor allem aber für angelsächsische Mönche, die entweder im 8./9. Jahrhundert oder aber im 11./12. Jahrhundert in die Gegend kamen. Als ihr Herkunftsland wurde aber meistens England angenommen, weswegen sie den Namenszusatz „elend“ erhielten, was im Althochdeutschen „fremd“ bedeutet.

Gottesdienstzeiten

Heilige Messen in der Pfarrei Ingolstadt-Etting

Samstag 18.00 Uhr; Sonntag 8.00 Uhr, 10.00 Uhr